Aphrodite

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Diese Seite ist unserer geliebten Aphrodite gewidmet, die viel zu früh von uns gehen mußte.

Sie hat uns 10 lange Jahre begleitet, hat alle Höhen und Tiefen mitgemacht und war immer um uns herum; beim Kochen, beim Baden, beim Schlafen, beim Arbeiten am Schreibtisch — Aphrodite war immer fellnah dabei — bis sie im Herbst 2009 an einem unerkannt gebliebenen Herzfehler verstorben ist. Was ihr Herzchen anging, so hat sie sich leider nie etwas anmerken lassen und erst als es viel zu spät war, haben sich eindeutige Symptome gezeigt. Wir glauben inzwischen, daß unsere eigensinnige und stolze Aphrodite keine alte, kranke Katze sein wollte — und so mußten wir sie trotz all unserer Bemühungen und Hilfen einschläfern lassen, als der Gesundheits­zustand einfach unüber­sehbar und irreversibel schlecht geworden war.

Wir haben Aphrodite als junge, 1­-jährige Katze aus dem Tierheim geholt. Obwohl wir eigentlich auf der Suche nach einem Kater waren, haben wir nach der großen Maunzattacke durch eine kleine, weiße Katzedame entschieden, daß wir uns diese einmal genauer anschauen möchten. Als wir dann das Gehege betraten, kam das weiße Mädchen mit den grünen Ohren (sie war gerade frisch tätowiert worden) sofort auf uns zugerannt, ist an mir hochgeklettert, hat an meinen Achseln gerochen, um sich dann in meinen Arm zu kuscheln und sofort schnurrend einzuschlafen. Die Tierheimhelferin war ganz überrascht und stammelte nur noch: "Das ist unmöglich, diese Katze ist eigentlich wirklich garstig, erst heute Morgen hat sei einem Besucher die Brille von Gesicht geschlagen…!" Und damit war die ganze Angelegenheit auch erledigt, die weiße Katze, die wir später Aphrodite nennen sollten, hatte UNS ausgesucht. Keine weiteren Diskussionen.

Von Anfang an hat Aphrodite uns vertraut und eifersüchtig um unsere Aufmerk­samkeit gebuhlt. Bei all dem blieb sie immer eine stolze, eigensinnige und auch etwas nervige Katze, die manchmal ein wenig schwierig sein konnte, weil sie oft selbst nicht wußte, was sie wollte. Doch trotz dieses selbstbewußten Auftretens und ihres willenstarken Charakters hat sie uns jeden Tag gezeigt, daß sie uns liebt. Jeden Tag mehrfach hat sie sich ihre Küsschen abgeholt, sich auf Bücher gesetzt, die wir gerade gelesen hatten, um kurz gestreichelt zu werden, ihre Haare unserem Essen beigefügt, uns beim Schlafen beobachtet, bis wir davon aufgewacht sind, uns in Füße und Achseln gebissen und immer wieder geschnurrt und geschnurrt und geschnurrt…

Dabei ließ sich jedoch nur wenig gefallen, immer war sie diejenige, die bestimmte, wann und wie lange geschmust wird, aber selbst in den vielen Momenten, wo sie nicht angefasst werden wollte, blieb trotzdem stark auf uns fixiert. Anderen Menschen begegnete sie eher mit Mißtrauen und eine andere Katze hätte sie nie neben sich geduldet. Statt dessen stolzierte sie wie eine Prinzessin durch die Wohnung, ließ sich von allen für ihr wunderschönes Aussehen bewundern, nur um dann fremden Menschen auf ihre Jacken zu pinkeln, ihnen auf den Kopf zu springen oder sie zu kratzen. Wenn aber einer von uns sie in den Arm nah, war sie wieder der schnurrende Engel, der allen anderen um sich angeberische Blicke zuwarf. So wie sie uns die Welt bedeutete, so bedeuteten auch wir ihr die Welt.

Wir haben uns viele Male gefragt, was für eine Vorgeschichte Aphrodite wohl hatte und was geschehen war, was sie so einmalig werden ließ. Manchmal war sie schreckhaft und so richtig bedingungslos Kuscheln wollte sie nur sehr selten.

Wenn sie unsere Aufmerksamkeit mal nicht in dem Maße bekam, wie gewünscht, wurde gerne wütend. In jungen Jahren hat sie sich manchmal aufge­plustert und auf den Zehen­spitzen Ballet getanzt — was für sie aber nie den gewünschten Erfolg hatte, weil wir uns jedes Mal totgelacht haben, anstatt uns ehrfürchtig zu unterwerfen. Später hat sie ihren Frust gerne an unschuldigem Papier ausgelassen, welches sie voller Extase zerriss, oder an irgendwelchem Krimskrams, den sie vor unseren Augen unbedingt "zufällig" herunter­­schubsen mußte. Begleitet waren all diese Aktivitäten stets von einem empörten Schnaufen — einer Angewohnheit, die ich bei noch keiner anderen Katze gesehen habe.

Eine Zeitlang ließen wir sie trotz Bedenken in den Garten, wo sie zu unserem Schrecken nicht nur die Eichhörn­chen­population dezimierte, sondern auch das ein oder andere Stück Essen vom Nachbar klaute. An der Leine wollte sie nie so richtig gehen, da sie gar nicht so viel herumlaufen wollte. Und nachdem sie in einer Winternacht 2006 alleine in einen Kellerschacht abstürzte und wir sie nur durch glückliche Umstände retten konnten, war es mit dem Rausgehen auch vorbei. Sie hatte darauf auch keine Lust mehr und ging nur noch mal auf einen kleinen Ausflug ins Treppen­haus, wo sie am liebsten die Fußmatten der Nachbarn beschmuste.

Wenn wir einmal im Urlaub waren und nach einigen Wochen wiederkamen, machte Aphrodite innerhalb von wenigen Minuten die gesamte Emotionen­palette durch, die ihr zur Verfügung stand; große Freude gemischt mit blinder Wut und unendlicher Beleidigung und doch wieder unglaublicher Liebe entluden sich zur gleichen Zeit, so daß sie empört maunzte und erfreut gurrte wärhrend sie sich an uns kuschelte, nur um dann gleich wieder wegzurennen und einen markerschütternden Schrei von sich zu geben.

Obwohl sie immer eine sehr energetische und starke Katze war, hatte sie im letzten Jahr ihres Lebens etwas abgebaut, sie war müder geworden und nahm auch manchmal nicht am Kochen in der Küche teil. Erst jetzt wissen wir, daß dies an ihrer Herzkrankheit lag, die trotz ausführlicher und regelmäßiger Checks bis zuletzt unerkannt geblieben ist. Am Ende ist unserer geliebte Aphrodite an einem zu großen Herzen gestorben. Wir haben sie unendlich geliebt und tun es noch immer.

Wir werden unser weißes Mäuschen nie vergessen.

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